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Christus ist auferstanden!

Gnade sei mit euch und Friede von unserem auferstandenen Herrn. Amen.

Herr, segne du unser Reden und Hören. Amen.

 

Liebe Gemeinde,

Ostern! - Endlich Ostern! - Endlich Osterfreude!

Gesungen haben wir bereits von der Osterfreude: „Wir wollen alle fröhlich sein“ und „Christ ist erstanden“ , wir haben auch die Osterbotschaft des Apostel Paulus gehört. Hat uns die Osterfreude aber schon wirklich erreicht?

Gehen wir noch einmal an den Ursprung der Osterfreude zurück und hören den Bericht des Evangelisten.

Ich lese aus dem Johannesevangelium, Kap. 20 die Verse 11 - 18:

11 Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Als sie nun weinte, schaute sie in das Grab

12 und sieht zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, einen zu Häupten und den andern zu den Füßen, wo sie den Leichnam Jesu hingelegt hatten.

13 Und die sprachen zu ihr: Frau, was weinst du? Sie spricht zu ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben.

14 Und als sie das sagte, wandte sie sich um und sieht Jesus stehen und weiß nicht, dass es Jesus ist.

15 Spricht Jesus zu ihr: Frau, was weinst du? Wen suchst du? Sie meint, es sei der Gärtner, und spricht zu ihm: Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir, wo du ihn hingelegt hast; dann will ich ihn holen.

16 Spricht Jesus zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und spricht zu ihm auf hebräisch: Rabbuni!, das heißt: Meister!

17 Spricht Jesus zu ihr: Rühre mich nicht an! Denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater. Geh aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott.

18 Maria von Magdala geht und verkündigt den Jüngern: Ich habe den Herrn gesehen, und das hat er zu mir gesagt.

 

Liebe Gemeinde,

alle vier Evangelisten schreiben einen ganz ähnlichen Bericht über die Ereignisse am Ostermorgen. Kleine Unterschiede gibt es freilich, aber eines ist allen gemein: Es sind Frauen, die zum Grabe eilen, um Jesus, dem geliebten Menschen, den letzten Liebesdienst zu erweisen. Und Maria von Magdala, oder Maria Magdalena, wie sie auch genannt wird, war immer dabei. In dem Bericht des Johannes ist sie sogar die einzige.

Dem gehörten Bericht geht noch eine Episode voraus, die ich kurz nacherzählen möchte:

Maria eilte noch bei Dunkelheit zum Grabe und sieht den Stein weggewälzt. Verwirrt rennt sie zurück, geht zu den Jüngern und findet Petrus und Johannes. Diesen berichtet sie, was sie sah. Die beiden machen sich schleunigst auf den Weg - sie verhalten sich wie Männer!

Sie werfen einen Blick in die Grabkammer und sehen: sie ist leer. Was tun die Männer nun? Fragen? Fragen sie die Wachen, was los ist? Nein, Männer fragen möglichst nicht! Sprechen sie Maria an, um sich gegenseitig zu trösten? Nein, nichts dergleichen. Sie gehen wortlos zurück in ihr Versteck!

Hier setzen die Worte ein, die wir gehört haben: Maria aber stand draußen am Grabe und weinte.

Maria Magdalena belässt es nicht beim Weinen, auch nicht bei einem flüchtigen Blick in die Grabkammer. Sie ist eine Frau, sie unternimmt etwas. Und sie nimmt wahr, was den Männern verborgen blieb. Und sie spricht, sie spricht mit dem Engel und auch mit Jesus, dem Auferstandenen!

Jesus ist von den Toten auferstanden, das ist freilich so unglaublich, dass auch sie, die Frau, den geliebten Menschen erst erkennt, als dieser sie mit ihrem Namen anspricht.

Wir sprechen immer wieder von den 12 Aposteln, den Gesandten Gottes. Alle sind natürlich Männer, weil es so dem damaligen und häufig auch noch dem heutigen Weltbild entspricht.

Maria Magdalena aber war die erste, die die frohe Botschaft aufnahm und weitertrug. Sie ist die erste Apostelin, die den Jüngern Jesu die Auferstehung Jesu bezeugte.

Maria Magdalena ist das erste Osterkind!

Liebe Gemeinde, kennen sie ein Osterkind? Sind sie vielleicht selber eins? Es gibt sie!

Eine Frau von etwa 50 Jahren sagt von sich: Ich bin ein Osterkind. Doch, ich mochte auch immer schon Weihnachten sehr, aber noch mehr hat mich schon als Kind die Ostergeschichte fasziniert, sie ist so geheimnisvoll!

Im Kindergottesdienst hatte ich von der Begegnung des Auferstandenen mit Maria Magdalena gehört. Die ließ mich nicht mehr los. Im nächsten Jahr machte ich mich am Ostermorgen ganz früh auf den Weg. Ich radelte hinunter zum Fluss. Ich hatte die Vorstellung, auch mir würde Jesus begegnen, wie damals der Maria. Aber nichts geschah. Ich war enttäuscht und schämte mich, weil ich so naiv war.

Als ich zwölf war, geschah etwas Schreckliches. Mein geliebter Vater starb völlig unerwartet am Palmsonntag. Die folgenden Feierlichkeiten mit der Beisetzung erlebte ich geistig abwesend, fast wie eine unbeteiligte Zuschauerin. Eine Woche später ging ich alleine zum Friedhof. Ich wollte mit meinem Papa alleine sein. Ich habe lange dort am Grab gesessen und mit ihm gesprochen. Als ich wieder gehen musste, entdeckte ich ganz in der Nähe ein Grab mit einem weißen Stein. Es war ein Bibelvers eingraviert. (Johannes 16, 33)

»Solches habe ich mit euch geredet, dass ihr in mir Frieden habt. In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.«

Mir war, als ob mich diese Worte umarmten. Seitdem ist Ostern für mich das Erwachen zu neuem Leben. Jetzt bin ich ein Osterkind.

Liebe Gemeinde, ich möchte ihnen noch eine Ostergeschichte erzählen. Diesmal keine, die ich gehört oder gelesen habe, sondern eine, die ich selbst erlebt habe. Ich fasse sie ganz kurz zusammen.

Es geschah nicht direkt an Ostern, sondern am 2. Juli 1961. Ich war 17 Jahre alt. Es war ein heißen Sommersonntag, Ich fuhr mit einem Freund an einen Baggersee.

Beim Sprung ins Wasser merkte ich einen leichten Schlag. Kein Schmerz, aber ich konnte mich nicht mehr bewegen. Querschnittlähmung. Genickbruch. Die Ärzte sagten später: Fraktur des 5. Halswirbels. Es wurde mir schnell klar, dass ich sterben werde und erlebte nun, was ich später von vielen gehört habe, die auch ein solches Nahtoderlebnis hatten.

Ich habe keinerlei Panik, mein bisheriges Leben läuft wie ein Film in Zeitraffer vor mir ab. Ich bete. Ich gehe durch einen langen dunklen Tunnel. Schließlich wieder Licht. Ich komme auf eine blühende, lichtdurchflutete Wiese. Es ist die schönste Wiese, die ich je gesehen hatte. In der Mitte der Wiese entdecke ich — Gott! Gott empfängt mich mit ausgebreiteten Armen. - Und er schickt mich doch wieder zurück ins Leben.

Natürlich könnte ich auch sagen:

Mein Freund hat mich aus dem Wasser gezogen und die Sanitäter und Ärzte haben mich geheilt.

Seitdem aber weiß ich, was der Tod ist - oder besser: was er nicht ist. Er ist nicht das Ende!

Der Tod ist der abschließende Höhepunkt unseres irdischen Lebens und in der Auferstehung wartet Jesus Christus auf uns. Jesus Christus wartet auch nachher in der Feier des Heiligen Abendmahls auf uns. Freuen wir uns darauf. Amen.

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

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