Geschichte

Die Geschichte unserer Emmausgemeinde ist die Geschichte der Evangelischen Kirche in der Diaspora. In das ehemalige rein katholische Dorf Neusäß kamen nach dem Krieg durch Flucht und Vertreibung nach dem 1. Weltkrieg erste Evangelische. Ihre Zahl stieg mit der enormen Bautätigkeit der 50er und 60er Jahre rapide an. Kirchlich war sie der evangelischen Gemeinde Westheim (Philippuskirche) zugeordnet, die den Augsburger Westen von Aystetten bis über Fischach hinaus umfasste.

Der Weg zur Westheimer Kirche war auf unbefestigten Feldwegen bei Regen und Schnee für Fußgänger – und das waren die meisten Neusäßer damals – oft nur mit Mühe zu bewältigen. Trotzdem zählte man in den Gottesdiensten dort fast ebenso viele Neusäßer wie Westheimer.

Um dem Wunsch nach einer ortseigenen Versammlungsstätte nachzukommen, wurde 1960 in der Gartenstraße ein Gemeindehaus auf einem gestifteten Grundstück gebaut. Dank der Initiative von Pfarrer Bullemer konnte der Bau durch einen hohen Anteil an Eigenleistung und Spenden weitgehendst aus eigener Kraft der Kirchengemeinde erstellt werden. Am 24. September 1961 konnte es unter starker Beteiligung der Bevölkerung eingeweiht werden. Nun standen ein Gemeindesaal, ein Jugendraum und Nebenräume zur Verfügung. 1965 wurde dieses Haus aus dem dringenden Wunsch nach einem Kindergarten umgebaut. So gingen die Räume für die Gemeindearbeit verloren.

Mit dem weiteren Zustrom in den Augsburger Westen wuchs die Kirchengemeinde Westheim auf über 4500 Gemeindeglieder an. Der Kirchenvorstand beantragte eine zweite Pfarrstelle für den Sprengel Neusäß, die genehmigt wurde. Der Kirchenvorstand wählte Pfarrer Friedrich Weigel aus den Bewerbern aus. Im gleichen Jahr 1965 beschloss der Kirchenvorstand die Planung eines eigenen Gemeindezentrums, das im Endausbau alle gemeindlichen Einrichtungen aufnehmen sollte. Eine Montagekirche wurde am Friedhof errichtet und versprach eine baldige Realisierung der Baupläne durch das Landeskirchenamt. Am 13. Februar 1966 wurde Pfarrer Weigel feierlich in sein Amt eingeführt. Sein Sprengelbereich umfasste die Ortsgemeinden Neusäß – Hammel – Aystetten. Unter seinem starken persönlichen Einsatz werden die rund 2000 Evangelischen zu einer neuen Gemeinde gesammelt.

Am 23. Juli 1967 konnte der erste Gottesdienst unter großer Beteiligung der Gemeinde in der Montagekirche gefeiert werden. Kurz darauf, am 9. Oktober 1967 wurde der Sprengel Neusäß der Philippusgemeinde zur eigenen Kirchengemeinde erhoben.

Es begannen Verhandlungen und Planungen für ein eigenes Gemeindezentrum an geeignetem Ort, weil ja die Gemeinderäume durch den Kindergarten verloren waren und die Montagekirche eine Übergangslösung sein sollte.

Am 28. Juli 1974 konnte das von Architekt Hans Schrammel entworfene Gemeindezentrum mit Pfarrhaus auf dem Grundstück in der Etzelstr. 10 durch Oberkirchenrat Walter Rupprecht und Dekan Schmid feierlich eingeweiht werden.

In den darauffolgenden Jahren wuchs die Gemeinde mit vielen Gruppen und Aktivitäten. Ein Chor war bereits entstanden. Der Diakonieverein, schon 1959 gegründet, wurde in die neugegründete Ökumenische Sozialstation eingegliedert. In einer ersten Visitation konnte Dekan Schmid die Gruppen und Kreise der Gemeinde kennenlernen.

1988 wird Neusäß zur Stadt erhoben. In diesem Jahr wird auch wieder ein neuer Kirchenvorstand gewählt, dem es bald zur Aufgabe wird, einen neuen Pfarrer für die Gemeinde zu suche, weil Pfarrer Weigel nach 23jähriger segensreichen Tätigkeit in den Ruhestand verabschiedet wird.

Von September 1989 bis Dezember 2004 war Pfarrer Peter W. Zach der Gemeindepfarrer der Emmausgemeinde. Gemeinsam mit ihm konnte der Kirchenvorstand in dieser Zeit wichtige Impulse für das Gemeindeleben setzen.

Am 18. September 2005 wird Pfarrer Martin Rothmund durch Dekan Fritz Graßmann in einem Festgottesdienst feierlich in sein Amt eingefürt. Aus gesundheitlichen Gründen musste Pfr. Rothmund seinen Dienst leider vorzeitig wieder aufgeben.

Die Realisierung dieses großen Bauvorhabens kann Herr Pfr. Rothmund leider nur aus der Ferne verfolgen.

Wie bei jedem Pfarrer-Wechsel stand wieder eine längere Zeit der Vakanz an, in der die Gemeinde auf die Unterstützung der Nachbarpfarrer bzw. -pfarrerinnen angewiesen ist. Gut, dass sich in solchen Zeiten auch viele Ehrenamtliche verstärkt engagieren.

Seit April 2014 ist nun Pfarrer Christian Agnethler mit großem Einsatz in Neusäß tätig. Mit Gottes Hilfe wird die Gemeinde weiter wachsen.

Die Gemeinde hatte sich den Namen »Emmausgemeinde« gegeben. Es ist eine Gemeinde, die auf dem Weg ist, weg von dem Dunkel der Todesnacht hin zum Morgen der Auferstehung. Es ist ein Weg der Hoffnung für die Menschen, die mit auf dem Weg sind. Es ist ein Weg, der nicht zu Ende ist, auf dem wir uns aber mit dem Auferstandenen zusammen wieder finden, weil er in unserer Mitte ist und sich uns zu erkennen gibt als der Heiland der Welt.

Ihn bitten wir immer wieder auf unserem gemeinsamen Weg der Gemeinde:

»Herr, bleibe bei uns!«