Die künstlerische Ausgestaltung der Emmauskirche

Mit unserer künstlerischen Gestaltung möchten wir auf die architektonisch neu geschaffenen Räumlichkeiten antworten und ihnen einen Inhalt, eine geistige Bedeutung geben.

Mit der bewusst skulpturalen Auffassung für die Gestaltung der einzelnen Objekte gelingt es, Kraftorte zu schaffen. Dabei weist ihre jeweils spezifische Ausformulierung auf die ihnen zugedachte Funktion hin, das Beibehalten einer Formensprache hingegen lässt ein einheitliches und lebendiges Raumgefüge entstehen. Seine ruhige und angenehme Ausstrahlung lädt zu Meditation, innerer Sammlung und Gebet ein.

Die räumliche Staffelung der einzelnen Objekte weitet den Raum und gibt ihm Tiefe. Die in der Westwand neu geschaffene Nische mit Lichteinfall von oben und von den Seiten wird durch die Wandscheibe, die die Mauern an dieser Stelle überragt und so auch von außen als Gestaltungselement wahrgenommen werden kann, zu einem wichtigen neuen Architekturelement.

Mit einer Skulptur, die diesen räumlichen Bezug Erde/Himmel formal noch einmal aufnimmt, möchten wir diesem Ort einen geistigen Inhalt geben. Mit Bezug auf den Namen dieser Kirche könnte diese Skulptur auch zu einem Sinnbild für die Auferstehung Christi werden. Sie thematisiert in ihrer Mehrteiligkeit und Anordnung einerseits das Kreuz, ihr innerer Aufbau betont Senkrechte und Waagerechte und verweist so auf elementar menschliches. Begriffe wie Stehen, Liegen, Lasten und Tragen werden erlebbar.

Mit der emporragenden Wandscheibe wächst der Raum über sich hinaus. So könnte diese in Verbindung mit unserer Skulptur zum Sinnbild dafür werden, das Evangelium in alle Welt hinauszutragen und so für den Missionsbefehl stehen, den Christus seinen Jüngern kurz nach seiner Auferstehung gab. Der Altartisch, räumlich ins Kircheninnere gerückt, wird so als geistige Mitte erlebbar.

Auch hier wird das Thema Kreuz noch einmal in Form von Tischplatte und tragendem Mittelstein variiert. Zusätzlich befindet sich ein kleines Altarkreuz in Form einer Halbedelsteinintarsie aus Rauchquarz auf der Tischplatte.

Die Kerzenständergruppe und das mehrteilige Taufbecken ergänzen und differenzieren dieses spannungsvolle Gefüge im Raum.

Dem gegenüber wird ein gänzlich anderer grazil wirkender Ambo gesetzt. Klarheit, Differenziertheit und Transparenz gewinnen hier in Bezug auf das Wort inhaltliche Bedeutung. Die Wandflachen links und rechts von der Apsis werden links durch das mobile Standkreuz und rechts durch ein Parament bestimmt.

Das Standkreuz ist nicht in strenger Kreuzform ausgebildet, sondern lebendig im Stein modelliert.

Durch die insgesamt zurückhaltende Farbigkeit der Kirche erhalten die liturgischen Farben der Paramente, die die Gemeinde durch das gesamte Kirchenjahr begleiten, einen sehr hohen Stellenwert.

Da mehrere Feste jeweils unter einer Farbe zusammengefasst werden, haben wir versucht, für jedes Antependium übergreifende Begriffe zu formulieren und diese in eine ungegenständliche (Symbol-) Sprache zu übersetzen, die zur Auseinandersetzung anregt, aber auch dem Einzelnen einen notwendigen Spielraum lässt.

1. Das weiße Parament für die Christusfeste an Ostern und Weihnachten macht Begriffe wie Tragen und getragen werden durch Christus erlebbar.

2. Das violette Parament für die Fastenzeit vor Weihnachten und Ostern hat etwas labyrinthartiges, macht die Suche nach Wegen ablesbar und steht so unter dem Begriff Lebenswege. Ein "Eintreten" der Formen auf der linken Seite und ein "Austreten" auf der rechten versinnbildlicht so auch einen individuellen Lebensweg.

3. Das rote Parament sprüht vor Kraft, lässt Funken springen; durch das Ineinandergreifen von unterschiedlichen Formen wird das Thema Verständigung ablesbar (Pfingsten).

4. Das grüne Parament für alle übrigen Sonntage setzt sich mit dem Begriff Gleichgewicht auseinander; vier Formen vom Quader abgeleitet sind ins Gleichgewicht gesetzt.

Für die dreiseitig oberhalb der Umfassungswände umlaufende Verglasung haben wir als Ergänzung zu dieser spannungsreichen und komplexen Raumgestaltung eine ruhige Formensprache gewählt: eine lineare Gestaltung mit waagerechten ins Glas geätzten Balken, wobei diese im unteren Bereich sehr dicht aufeinanderfolgen und nach oben hin immer größere Abstände aufweisen, so dass mehr Licht einfallen kann.

Dieser lichtdurchflutete Raum erhält seine angenehme und lebendige Ausstrahlung nicht zuletzt auch durch die warm wirkenden und rauh belassenen Jurakalkplatten des Bodens und durch die Licht reflektierende Wandscheibe (Stucco lustro Technik).

Altartisch, Taufort, Skulptur und das Kreuz des Standkreuzes sind in einem hellen Granit (Kaltrum) aus dem Bayrischen Wald ausgeführt. Ihre Oberflächen sind lebendig von Hand modelliert. Der Ambo und der Stab des Standkreuzes sind aus Eschenholz und von der Firma Erwin Schwab gefertigt worden. Die Paramente hat die Textilkünstlerin Andrea Dresely gewebt. Die Edelstahlelemente hat die Firma Pfiffner hergestellt.

Mit unserer künstlerischen Gestaltung möchten wir eine lebendige, ruhige, kraftspendende und freudige Atmosphäre in dieser Kirche entstehen lassen, die Spielraum lässt für individuelle Auseinandersetzung und immer aufs Neue erlebt werden kann.

Heike und Jirji Mayr

Steinbildhauer